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Die Vereinsgeschichte des LSV Bruchsal e.V.

Vereinsgeschichte

Zwei Flugzeughangars, eine Tankstelle, ein geräumiges Vorfeld, ein Vereinsheim mit Terrasse und ein gut ausgebautes Flugfeld hatte der Luftsportverein Ende der 70er Jahre. Ein großer Flugzeugpark ermöglichte den Flugsport von der Grundschulung bis zum Leistungssegelflug.VorfeldDie Vereinsgeschichte des LSV-Bruchsal begann bereits 1950. Lesen Sie hier über die Historie des Vereins. Klicken Sie auf eine der Jahreszahlen um detailierte Angaben über diese Jahr zu lesen.

1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1957 | 1958 | 1960 | 1964 | 1965 | 1966 | 1969 | 1972 | 1973 | 1975 | 1976 | 1978 | 1979 | 1980 | 1982 | 1983 | 1984 | 1986

 

 

 


1950

Werner Fierhauser gründete mit 25 Fliegern zusammen einen Aeroclub, den "Luftsportverein Kreis Bruchsal". Als Flugplatz wählte man den Exerzierplatz, wo schon 1918 Bruchsals erster Flugplatz entstand.

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1951

Reinhold Maier, Ministerpräsident Baden-Württembergs, forderte die Alliierten auf, den Segelflugsport wiederzulassen. Er bekam Recht. Für den LSV gab es kein halten mehr und man entschloss sich, ein eigenes Segelflugzeug zu bauen.

Die Wahl viel auf eine "Hütter 17b", ein einsitziges Segelflugzeug in Holzbauweise. Mit Zuschüssen des Württembergischem Luftfahrtverband (wie er damals noch hiess) wurde begonnen Spanten, Rippen und Holme zu bauen. Da aber wichtige Planunterlagen fehlten und die Konstruktion von neuen Flugzeugtypen längst überholt wurde, dachte man praktischer und bestellte für 800 DM einen Schulgleiter des Typs SG 38 und verkaufte den Rohbau der "Hütter".

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1952

Die SG 38 traf endlich in Bruchsal ein und wurde von Bürgermeister Franz Bläsi auf den Namen "Stadt Bruchsal", wie auch die 2010 angeschaffte Super Dimona, getauft.

Doch die Freude hielt nicht lange. Den Erstflug übernahm LSV-Mitglied Erich Steinmetz mit der Winde aus Mühlacker, der 1934 das letzte mal flog. Beim Start packte ihn ob der Beschleunigung das blanke Entsetzen, so dass er mit einem weithin hörbaren "Hiiilfee" das Steuer lossliess, sich an den Spanndrähten festhielt und die SG 38 fast senkrecht aufschlug. Nach einwöchiger Reparatur flog die Kiste am darauffolgenden Wochenende wieder.

19. Juli 1952: Mit seiner ersten Flugwoche nach dem Kriege hatte sich der Segelflugsport in Bruchsal über Nacht wieder etabliert. Zu sehen bekamen die Besucher neben der SG 38 des LSV (rechts) auch eine doppelsitzige Mü 13 E der Fliegergruppe Baden-Baden (im Vordergrund).Mü 13E und SG 38Bereits im Juli veranstaltete der LSV die erste Bruchsaler Fugwoche, zu der über 3000 begeisterte Zuschauer kamen. Der WBLV stellte dazu eine doppelsitzige Gö IV, ein Grunau Baby Il b, eine "Weihe" sowie die Fliegergruppe Baden-Baden eine doppelsitzige Mü 13 E zur Verfügung. Die Fliegergruppe Bretten steuerte dazu noch ihre neugebaute Schleppwinde bei. Nicht weniger als 500 Übungs- und Gastflüge wurden in jener Woche bei schönstem Sommerwetter absolviert. Der Luftsport hatte sich von einem Tag auf den anderen wieder in Bruchsal etabliert.

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1953

Am 3. juni 1953 übernahm der Bruchsaler Arzt Dr. Karl Matt die Führung des Vereins. Matt und seine Mitglieder gingen daran, den städtischen Exerzierplatz, der von zahllosen Bauern aus Büchenau, Karlsdorf und Neuthard angepachtet war, als Wiesengelände herzurichten. Der zentrale Feldweg diente damals als Schleppstrecke sowie Start- und Landebahn für den Schulgleiter. Geschleppt wurde damals mit der erwähnten Winde der Fliegergruppe Mühlacker, auf der zumeist Erwin Keuerleber sass.

Bei der ersten Bruchsaler Flugwoche stellte der Luftfahrtverband dem LSV Bruchsal dieses doppelsitzige Segelflugzeug vom Typ 'Gö IV' für Rundflüge zur Verfügung. Im Hintergrund der städtische Schafstall, der neue 'Hangar' der Bruchsaler Segelflieger.Gö IV vor dem 'Schafstall'Ebenfalls 1953 bezog der Verein eine neue Werkstatt in der leerstehenden Dragonerkaserne, wo die Segler während der Woche untergebracht waren, in der Nacht von Samstag auf Sonntag waren die Flugzeuge im städtischen Schafstall neben dem Fluggelände aufgerüstet.

Im gleichen Jahr richtete Walter Dickgiesser neben dem Schafstall einen kleinen Anbau, als eine gemütliche Vereinskantine ein. Das gesamte Mobiliar stellte der Schreinermeister selbst her.

Jetzt konnte der Flugbetrieb auf dem einzigen Platz in Nordbaden erst richtig losgehen. An den Wochenenden tummelten sich abwechslungsweise die Fliegergruppen Bretten, Bad Friedrichshall, Durlach, Ettlingen, Hockenheim, Karlsruhe, Akaflieg Karlsruhe, Mannheim, Mühlacker, Neckargemünd, Pforzheim, Vaihingen/Enz und Walldorf.

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1954

Der 'Brusler Spatz' wurde 1952 von Walter Dickgießer ausschließlich in Eigenarbeit in dessen Werkstatt in der Württemberger Straße gebaut. Der 'Spatz' war die erste Selbstbau-Werknummer dieses Typs in Deutschland. 1956 stürzte das Flugzeug ab und wurde zerstört.Scheibe Leichtsegler 'Spatz'Erstmals klingelte etwas Geld in der Vereinskasse und mit den Spargroschen erstand der Luftsportverein bald eine doppelsitzige Mü 13 E "Bergfalke". Parallel dazu liefen zwei weitere richtungweisende Projekte: Willi Pfaff, in den Gründerjahren stellvertretender LSV-Vereinsvorsitzender, baute als Siemens-Werkmeister fast alleine die erste Bruchsaler Schleppwinde mit einem Acht­zylinder Ford V8-Motor. Walter Dickgiesser indes erstellte zusammen mit dem Odenheimer Modellflieger Otto Senn die erste Selbstbau-Werknummer des Scheibe-Leichtseglers "Spatz" -eines 13 Meter Einsitzers im Eigenbau in seiner Werkstatt in der Württemberger Strasse. Am Ostermontag 1953 wurden somit die Mü 13 E des LSV und der Dickgiesser'sche "Spatz" bei einem Festakt mit Stadtkapelle und zahlreichem Publikum auf die Namen "Brusler Falke" und "Brusler Spatz" getauft.

Doch bereits am 4. Mai 1954 wurde die Mü 13 E beim Absturz durch einen Pilotentenfehler des LSV-Mitgliedes Hermann Vaasen total zerstört. Das gleiche passierte Erich Juhl, als er am 16. September 1956 mit dem "Brusler Spatz" bei seinem ersten Start an der Winde abschmierte. Der "Spatz" war ein Trümmerhaufen.

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1955

Finanziell durch den Grossflugtag am 23. August 1953 gestärkt machte sich der Verein im Winter 1954/55 an den Selbstbau eines "Bergfalken Il", der am 30. Juli 1955 in der Bruchsaler LSV-Halle auf den beziehungsreichen Namen "Phönix" getauft wurde. Dieser Bau war nur durch den überaus engagierten Einsatz des damaligen LSV-Flugleiters Walter Litsch -seines Zeichens Flugzeugbaumeister- und die Assistenz des Werkstattleiters Kurt Höhne in 15 monatiger Arbeit in Tausenden Arbeitsstunden durch die Mitglieder möglich.

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1957

Mitte der 50er Jahre ein bereits wieder gewohntes Bild auf dem neuen Segelflugplatz vor den Toren der Stadt: Der 1954/55 vom Luftsportverein gebaute 'Bergfalke'-Doppelsitzer und das 1957 beschaffte Grunau 'Baby II b' in Startposition.Bergfalke und Grunau BabyDer Flugtag 1954 wurde ein ebensolcher Erfolg wie seine Vorgänger und bereits bis 1957 registrierte der LSV Bruchsal eine Gesamtstartzahl, die erstmals die Schallgrenze von 10 000 überschritt. In jenem Jahr beschaffte sich der Verein ein Segelflugzeug vom Typ "Grunau Baby II b", mit dem es sich -wie die zahlreichen Flugschüler sehr bald merkten- vortrefflich trudeln liess.

 

 

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1958

Die alt gediente Paffsche Seilwinde machte schlapp und der LSV baute sich eine neue mit 160 Pferdestärken, die mehrmals das Fahrgestell im Laufe der Jahre wechselte und brav bis 1979 ihren Dienst bei Tausenden Schlepps versah. Mit Abstand als einsamer Spezialist im Windenschlepp entpuppte sich dabei LSV­Gründungs- und Ehrenmitglied Robert Hanser, der nicht weniger als 16000 mal Segelflugzeuge in drei Jahrzehnten damit in den Himmel schleppte. Aus diesen Jahren stammen statistische Zahlen, wie sie heute -angesichts der gestiegenen Anforderungen bei der Segelflugzeugführerausbildung- kaum noch vorstellbar sind.

So wurden 1958 rund 1200 Windenstarts durchgeführt und 30 Pilotenprüfungen abgelegt.

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1960

Das bislang erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte wurde1960 als das Hauptflugbuch 2038 Starts festhielt, bei denen 30 Luftfahrerscheinprüfungen abgelegt und 11 Leistungsflüge für das Silber-C Abzeichen absolviert wurden. Seine Reihe der Flugtage stellte der LSV Bruchsal im Jahr zuvor mit einer überaus erfolgreichen und gut besuchten Veranstaltung vorerst ein.

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1964

Die entscheidende Wende in der Geschichte des Luftsportvereins Bruchsal kam jedoch mit dem Führungswechsel im Jahre 1964, als Walter Dickgiesser Dr. Karl Matt im Amt des Vorsitzenden ablöste. In der nur zweijährigen Amtszeit des Bruchsaler Segelflug- und Modellbaupioniers wurde der Bruchsaler Flugplatz um etwa 15 Grad in Richtung Nord-Süd gedreht und damit auf etwa 1200 Meter verlängert. Gleichzeitig nahm Walter Dickgiesser, der die Vereinsgeschäfte mit einem Schuldenstand von 5000 Mark übernommen hatte, den Bau einer Flugzeughalle mit Vereinslokal in Angriff.

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1965

In fast übermenschlicher Kraftanstrengung mit rund 7000 freiwilligen Arbeitsstunden der Mitglieder und zwölfmonatiger Bauzeit gelang es den 50 mal 15 Meter grossen Bau am Pfingstsonntag 1965 mit einem vielbeachteten Festakt vor hochkarätigem Publikum seiner Bestimmung zu übergeben. Das Gebäude nebst Aussenanlagen stellte einen Wert von rund 160000 Mark dar, der aufgrund vorausschauender, kluger Geschäftspolitik im Zusammenwirken von Verein, Stadt, Geschäftswelt und vor allem des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes (BWLV) geschaffen wurde. Es versteht sich von selbst, dass Erwin Keuerleber, mittlerweile BWLV-Vizepräsident und Landesjugendleiter, dem LSV dabei tatkräftig unter die Arme gegriffen hatte. Ebensolches tat eine Bundeswehrpioniereinheit aus Speyer, die auf Vermittlung des LSV­ Mitgliedes und Reserveoffiziers Hubert Volk nicht nur mit ihrem schweren Pioniergerät den neuverlegten Flugplatz auf dem ehemaligen Exerzierplatz einebnete, sondern auch tatkräftig beim Mauern der Halle half. Nicht ohne Grund sprach bei der Einweihungsfeier für den neuen Flugplatz und die Halle der damalige Landrat Dr. Friedrich Müller von Bruchsal als der "Hochburg des Modellfluges und des Segelflugsports". Dass die Inbetriebnahme der neuen Einrichtungen nicht ohne Wirkung blieb, zeigte sich daran, dass immer mehr besonders junge Menschen zur Segelfliegerei drängten. Und so sah sich der Verein gezwungen, 1965 sogar noch ein Leistungs- und Übungssegelflugzeug vom Typ Ka 8 anzuschaffen.

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1966

Die Sturmböe einer Gewitterfront riss im Sommer 1966 den Vereinsdoppelsitzer 'Bergfalke' nach der Landung vom Boden und zertrümmerte ihn. In einer bislang beispiellosen Spendenaktion ermöglichte die Bruchsaler Bevölkerung und die Geschäftswelt dem Luftsportverein die Ersatzbeschaffung des 'Bergfalken', der sich noch bis 1984 beim LSV im Einsatz befand.Der zertrümmerte BergfalkeAls Walter Dickgiesser nach nur zweijähriger Amtszeit 1966 die Geschäfte an den neugewählten Vorsitzenden Helmut Hermann mit einem Überschuss von 7000 Mark in der Kasse übergab, stand der Luftsportverein in seiner erst 15 jährigen Geschichte wirtschaftlich gesünder denn je auf den Beinen.

Höhen und Tiefen erlebte Helmut Hermann in dem einen Jahr seiner Amtszeit: Während es gelang, relativ preisgünstig ein doppelsitziges Schulsegelflugzeug vom Typ "Rhönlerche" zu beschaffen, riss im Sommer 1966 die Sturmböe einer plötzlich über den Bruchsaler Raum hereinbrechenden, schnellziehenden Kaltfront den Standard-Doppelsitzer des LSV, den "Bergfalken", nach der Landung vom Boden und zertrümmerte ihn vollständig. Eine bislang einzigartige Spendenaktion in der Bruchsaler Bevölkerung und Geschäftswelt sicherte jedoch die Ersatzbeschaffung eines neuen "Bergfalken" im Jahr darauf, in dem Hans-Dieter Fritz für insgesamt acht Jahre den Vereinsvorsitz übernahm.

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1969

Mit dem Zukauf einer Ka 6 im Jahre 1969 und der zum Teil privaten Beschaffung eines einmotorigen Schleppflugzeuges des französischen Musters "Morane" standen dem Luftsportverein nun drei einsitzige und zwei doppelsitzige Segler sowie eine Motormaschine zu Verfügung.

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1972

Während der Bruchsaler Flugplatz 1972 zum Sonderlandeplatz für den Öffentlichen Luftverkehr zugelassen wurde, trugen sich die Mitglieder mit dem Gedanken, das Neuland der Motorseglerei zu betreten: Die Entscheidung fiel zugunsten der Scheibe­Konstruktion SF25 B "Falke" aus, für den die Mitglieder in unzähligen Arbeitsstunden in Eigenleistung die Tragflächen und das Leitwerk fertigten.

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1973

1973 schliesslich fand der erfolgreiche Erstflug der SF25 B statt, als der LSV infolge Platzmangels eine zusätzliche Rundhalle in fliegender Bauweise südlich der bestehenden Halle aufstellen musste.

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1975

1975 übernahm der Büchenauer Physiker Dr. Hilmar Ritz einen gesunden, 140 Mitglieder starken Verein. Als Vorsitzender förderte er bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahre 1979 besonders den Leistungssegelflug in unvergleichlicher Weise.

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1976

Der Prototyp einer DG 100 wie sie vom LSV-Bruchsal 1976 angeschafft wurde um den Leistungssegelflug zu fördern. Die DG 100 ersetzt die durch einen Absturz verloren gegangene Ka 8.Ka 8 Ersatzflugzeug DG 100Unter der Ägide von Dr. Hilmar Ritz wurde 1976 das erste Untergrombacher Hochleistungssegelflugzeug DG 100 angeschafft und der Grossteil der Bruchsaler Vergleichsfliegen ausgerichtet. Durch einen Absturz ging die vereinseigene Ka 6 am Ostersonntag 1976 verloren.

Erspart blieb Dr. Hillmar Ritz allerdings, der 1980 das Ruder an Ekkehard Dörr übergab, die sicherlich bis dahin schwierigste Phase in der Geschichte des Luftsportvereins Bruchsal, welche die Flieger der Barockstadt an den Rand ihrer Existenz führen sollte.

 

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1978

Zwei Flugzeughangars, eine Tankstelle, ein geräumiges Vorfeld, ein Vereinsheim mit Terrasse und ein gut ausgebautes Flugfeld hatte der Luftsportverein Ende der 70er Jahre. Ein großer Flugzeugpark ermöglichte den Flugsport von der Grundschulung bis zum Leistungssegelflug.Das Vorfeld des LSV-BruchsalDie Nachricht in der Zeitung traf die Bruchsaler Segelflieger im März 1978 wie ein Schock: Die Stadt hatte die 100 Hektar des ehemaligen Exerzierplatzes, in dessen Zentrum der Flugplatz lag, an den amerikanischen Landmaschinenkonzern John Deere verkauft, der zusicherte, in der Endausbaustufe seiner riesigen Werksanlagen 4500 für Bruchsal wichtige Arbeitsplätze zu schaffen. Ungeachtet der Existenz des Aeroclubs hatten die Stadtväter seinerzeit vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Rezession keine Chance, diese gewaltige Industrieansiedlung auch nur in Frage zu stellen. War doch sie der scheinbar einzige Ausweg, die Strukturkrise, in der die Stadt damals steckte, zu überwinden.

 

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1979

Während sich ins Auge gefasste Standorte für einen neuen Flugplatz auf dem Eichelberg, bei Wiesental, bei Hambrücken und bei Gochsheim als ungeeignet erwiesen, griff in der Mitgliederschaft des LSV Depression um sich. Viele Piloten, besonders auch Leistungsflieger, wanderten einzeln zu anderen Vereinen ab.

Der Verein drohte 1979, als das letzte von insgesamt sieben Bruchsaler Vergleichsfliegen durchgeführt wurde, völlig auseinanderzubrechen. Der nur noch dürftige Flugbetrieb lief in jenem Jahr an riesigen Erdaufschüttungen der John Deere Baurnassnahmen für das Traktor-Kabinenwerk vorbei. Ein Schreiben der Mannheimer John Deere Zentrale, dass der Flugplatz innerhalb kürzester Frist nach Abbruch sämtlicher Gebäude bodengleich zu übergeben sei, versetzte auch jenen Luftsportlern, die ihren Optimismus noch nicht ganz begraben hatten, den letzten Hieb. Dem Luftsportverein Bruchsal schien damit sein letztes Stündchen geschlagen zu haben.

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1980

Der alles entscheidende Zufall war aber die Entdeckung von Altmeister Walter Dickgiesser: Er hatte einen Standort für einen möglichen Flugplatz nur einen Kilometer nördlich des bestehenden Geländes in den Gewannen "Espengraben" und "Grüne Wiesen" zwischen Saalbach und dem Entlastungskanal nach eingehendem Studium von Karten und Gelände ausgemacht. Die Topografie erlaubte im Höchstfall jedoch den Bau eines "Miniflugplatzes" mit einer Länge von 600 Metern und einer Breite von 60 Metern. Ebenso musste in diesem Falle eine Hochspannungsleitung, die mitten über das Areal führte, in den Boden verlegt werden. Der Vorschlag, der mit anfänglichem Kopfschütteln quittiert wurde, fiel jedoch im Bruchsaler Rathaus und hier besonders bei Bürgermeister Doll, auf fruchtbaren Boden. In dieser Situation übernahm im März 1980 Ekkehard Dörr mit dem Vorsitz von seinem Vorgänger Dr. Hilmar Ritz ein denkbarschweres Erbe. Doch sein neugewählter Vorstand, ein wahres "Krisenkabinett", war zu allem bereit.

Die schwierigste Phase der Vereinsgeschichte war mit einer Menge von Rückschlägen gekennzeichnet, von hartnäckigen Verhandlungen mit 22 Grundstückseigentümern, zahllosen Besprechungen, dem Anhörungsverfahren von nicht weniger als 18 Fachbehörden.

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1982

Am 1. Juni 1982 geschah das Unglaubliche: Das Regierungspräsidium erteilte dem Luftsportverein Bruchsal die Genehmigung zur Anlage und zum Betrieb eines Landeplatzes und bereits am 4. Dezember machten sich die Mitglieder an den ersten Arbeitseinsatz, indem sie Steine und Unrat vom künftigen Fluggelände räumten.

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1983

Im Frühjahr 1983 verlegten die Segelflieger die Hochspannungsleitung mit einem Kostenaufwand von rund 50000 Mark auf einer Länge von 800 Metern unter den Boden. Zu diesem Zweck war der "Twin­Astir", das doppelsitzige Kunststoffsegelflugzeug, verkauft und als Startkapital eingesetzt worden. Das Umpflügen, Planieren und Einsäen des neuen Platzes erfolgte parallel und noch im gleichen Jahr begann der Bau des ersten 17 mal 30 Meter grossen Leichtbauhangars an der Südostecke des Flugplatzes und dem Vereinsheim, einer Fertigbaukonstruktion. Eines der grössten Probleme, nämlich die Beseitigung der noch stehenden Stahlbeton Hochspannungsmasten im Gelände, löste die Bruchsaler Feuerwehr elegant bei einer Übung: Mit der Seilwinde rissen die Feuerwehrleute die 15 Meter hohen "Spargel" glatt aus dem Boden.

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1984

Nachdem die Landebahn hergerichtet war machten sich die Mitglieder des Luftsportvereins im März 1984 an den Bau des ersten Hangars im Espengraben. Ihm folgte eine zweite Halle sowie das Vereinsheim. Komplett fertiggestellt war die gesamte Flugplatzanlage schließlich im Sommer 1986.Der neue Hangar im RohbauWeil der Boden schwierig war, gestaltete sich das Ein- und Ausräumen von Flugzeugen aus dem im März 1984 fertig gestelltem Hangar problematisch. In die Bresche sprang in dieser Situation Walter Mayer aus Oberacker, inzwischen erfolgreicher Unternehmer und Hersteller von Aufzugssystemen. Er baute nicht nur einen zweiten Hangar, der seinem Geschäftsflugzeug und einer Privatmaschine wetterfeste Standplätze sicherte und im zweiten Teil der Halle dem LSV auch noch Platz für eine Werkstatt und die Unterstellung von Flugzeuganhängern schuf, sondern er legte auch ein grosses, befestigtes Vorfeld sowie asphaltierte Zufahrtswege im Geviert der Infrastruktur an.

Eine geräumige Zuschauerterrasse vor dem schmucken Clubheim und eine Tankstelle vervollständigten nach einer Arbeitsleistung von über 5000 Stunden durch die Mitglieder den neuen Bruchsaler Flugplatz, auf den am 25. März 1984 das erste Flugzeug des Luftsportvereins vom alten "Rest-Flugplatz" im Süden per Luftsprung überführt wurde. Wie durch ein Wunder konnte der Umzug praktisch nahtlos erfolgen. Das hätte nur fünf Jahre zuvor noch niemand zu hoffen gewagt.

Dass der Luftsportverein nicht alleine in der Lage war, dieses Projekt zu finanzieren, versteht sich von selbst. Zu einem Retter in der Not wurde dabei der Wegbereiter des nordbadischen Segelfluges, BWLV-Vizepräsident Erwin Keuerleber aus Karlsruhe. In gemeinsamer Anstrengung durch Zuschüsse des Verbandes, des Landes Baden-Württemberg für die Luftbeobachtungseinrichtung der Feuerwehr, sowie dem Bruchsaler Oberbürgermeister Bernd Doll gelang es schliesslich, das Bauvorhaben abzuschliessen. Am 27. Dezember 1984 erteilte das Regierungspräsidium nach endgültiger Abnahme des Geländes die Flugplatzgenehmigung.

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1986

Nach umfangreichen Vorbereitungen kam am 31. August 1986 für den Luftsportverein Bruchsal im 35. Jahr seines Bestehens der grosse Tag: Fast 8000 Besucher feierten bei dem Grossflugtag die Einweihung des neuen und fünften Flugplatzes in der Geschichte der Bruchsaler Fliegerei. Beim Festakt im grossen Hangar zeichnete BWLV-Vizepräsident Erwin Keuerleber vor hochkarätigem Publikum aus dem Luftsport, der Wirtschaft, der Politik und dem öffentlichen Leben Bruchsals Oberbürgermeister Bernd Doll für seine Verdienste um die Fliegerei in der Barockstadt mit der Wolf-Hirth Medaille des Luftfahrtverbandes aus.

Fast  schon ein symbolischer Akt war der Flug dieses SG 38 Schulgleiters des  OSC Wasserkuppe zur Einweihung des neuen Bruchsaler Flugplatzes am 31.  August 1986. Dort, wo OSC-Vorsitzender Karlheinz Kellermann vom Sitz der  SG 38 stieg, flog genau 54 Jahre zuvor die BSG mit ihrem 'Zögling'.LSV-Bruchsal im 35. JahrEigens für diesen Anlass drehten Doppeldecker aus den 30er Jahren ihre Loopings, versetzten Segelkunstflieger mit ihren lautlosen Kapriolen das Publikum in Staunen, stürzten sich wagemutige FSC Fallschirmspringer aus ihren Absetzmaschinen in die Tiefe, knatterten Ultraleichte in Gänseblümchenhöhe an den zahllosen Zuschauern vorbei oder heulten ferngesteuerte Modelle in das Blau des Himmels. Und als vier "Tornados" des Bundeswehr-Jagdbombergeschwaders 33 aus Büchel in der Eifel ihre eindrucksvollen und vielbeklatschten Demonstrationen über dem "Espengraben" und den "Grünen Wiesen" flogen, dachte sicherlich niemand daran, dass genau 54 Jahre zuvor an eben dieser Stelle die jungen flugbegeisterten Bruchsaler der BSG ihre ersten Luftsprünge auf dem Schulgleiter versuchten. Und man sah nur noch wenige ergraute Senioren, die sich eine Träne aus den Augen wischten, als die Startmannschaft an jenem 31. August 1986 den liebevoll restaurierten SG 38 Schulgleiter des Oldtimer-Segelflugclubs Wasserkuppe mit dem Gummiseil zur Gaudi des Publikums auf der Graspiste des neuen Bruchsaler Flugplatzes in die Luft katapultierte.

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Quelle:
Flügel - Die Geschichte der Fliegerei über Kraichgau und Bruhrain
von Peter Huber.

 
 
 
 

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